Startseite
    Daily Brainfuck
    Short Stories
    Lyrik
  Archiv
  Gästebuch
  Kontakt
 


 
Links
   DER GESTRECKTE MITTELFINGER
   MATULA RECORDS
   FRONT
   JUNGLE WORLD
   WHERE THE WILD WORDS ARE
   THE RALF BLOG
   ENPUNKT BLOG
   HUMAN PARASIT
   KEN YAMAMOTO SPOKEN WORD POETRY

http://myblog.de/gelegenheitsjobsucher

Gratis bloggen bei
myblog.de





 
Das eine will ich Dir noch sagen...

Als sie von der Arbeit nach Hause kam, sah sie wie die beiden am Küchentisch saßen und sich gegenseitig anschrieen. Ihr Tag war schon anstrengend genug gewesen. Acht beschissene Stunden hatte sie damit zugebracht, wildfremde Menschen dazu zu bringen ein Gespräch mit ihrem Kundenberater zu führen. „Wie sie ja bestimmt wissen, hat sich seit dem 1.1. die Gesetzeslage zu Vermögenswirksamen Leistungen geändert. Unser Kundenberater würde sie hierüber gerne aufklären und sie darüber hinaus über die für sie entstehenden Vorteile informieren. Wann hätten sie denn Zeit?“ Wie sie diese Sätze und  diese Arbeit hasste. Und jetzt saßen die zwei auch noch hier rum und stritten sich über irgendwelchen Dünnschiss. Er hatte schon wieder mächtig getrunken und wurde langsam aggressiv. Mittlerweile kannte sie das.

Seit 6 Jahren waren sie verheiratet. Es war damals -  man nennt es wohl so – Liebe auf den ersten Blick. Sie kannten sich damals nicht mal ein halbes Jahr, als sie zum Traualtar schritten. Die ersten Jahre verliefen wirklich gut. Er kam mit ihrer Tochter aus erster Ehe super zurecht, die beiden verstanden sich richtig gut. Sie waren eine richtige, kleine, glückliche Familie. Dann mußte seine Firma Bankrott anmelden und plötzlich stand er auf der Straße. Anfangs versuchte er noch eine neue Stelle zu finden, doch der Markt war schlecht und Jobs unter seiner Würde nahm er nicht an. Zunächst ging er jeden Tag aufs Amt, in der Hoffnung eine neue Stelle zu finden, dann ging er nur noch zweimal die Woche hin, dann nur noch einmal die Woche, am Schluß gar nicht mehr, nur noch zum Kiosk um die Ecke, um sich sein Bier zu kaufen. Seitdem saß er nur noch den ganzen Tag in der Küche und betrank sich.

„Diabetes kommt aus dem Kopf? Ja? Das glaubst Du wirklich? Du bist doch nicht mehr ganz dicht! Du hast ein Rad ab! Was ist mit Verdauungsproblemen? Kommen die auch aus dem Kopf?“

Selbstverständlich!“

„Du willst mir also wirklich erzählen, das Durchfall und Magenschmerzen durch ne Krankheit im Kopf kommen? Also wenn ich keinen Knacks habe, dann kann ich soviel saufen wie ich will und muß nicht kotzen und habe morgens auch keinen Bierschiss? Ich bitte Dich, was für eine Scheiße willst Du mir hier erzählen? Krank im Kopf bist Du! Wegen Deinem Schwachsinn, den Du hier verzapfst, muß ich trinken und bekomme Dünnschiss und nicht, weil -“

„Haltet endlich mal den Mund! Halloo, ich bin auch noch  da. Wie wäre es mit einem „Schön das Du da bist! Wie war Dein Tag?“ Aber nein, Ihr müsst euch ja mal wieder anschreien.“

„Mom, er glaubt mir nicht das es aus dem Kopf kommt. Sag Du es ihm.“

„Und was ist mit Grippe oder Rückenschmerzen. Die kommen auch aus dem Kopf? Du hast doch nicht mehr alle Tassen im Schrank. Du gehörst in die Klapsmühle. Jawohl!“ und dabei schlug er mit der flachen Hand auf den Tisch.

Mom er hat mich beleidigt. Tu doch was!“

„Sie hat recht“, sagte sie. Sie hatte endgültig genug von ihm. „Pack Deine Sachen und verschwinde von hier. Für immer!“

„Was? Ich soll verschwinden? Ihr spinnt doch beide!“

Verschwinde endlich! Sofort! Seit Monaten hängst Du nur noch hier rum und säufst den ganzen Tag. Beleidigst mich und meine Tochter. Verschwinde endlich! Ich kann Deine Scheißfresse nicht mehr ertragen.“

„Du blödes Miststück! Aber Du hast recht. Das ist sowieso das Beste was mir passieren konnte. Ihr beiden seid doch total verrückt. Ich wollte eh schon die ganze Zeit dieses Irrenhaus verlassen!“

Dann stand er auf und ging ins Schlafzimmer, wo er einen alten Koffer unter dem Bett hervor holte. Danach öffnete er die Schranktür und begann damit seine Hemden, seine Hosen, seine Strümpfe und seine Unterwäsche in den Koffer zu werfen. Als er damit fertig war, ging er ins Bad und schnappte sich sein Rasierzeug und seine Zahnbürste . Dann ging er zurück ins Schlafzimmer und legte sein Rasierzeug und die Zahnbürste in den Koffer und klappte diesen zu. Währenddessen stand sie die ganze Zeit mit ihrer Tochter im Arm im Türrahmen der Schlafzimmertür und beobachtete sein Treiben.

Dann ging sie zur Wohnungstür und öffnete diese. Danach ging sie zurück in die Küche, wo er mit seinem Koffer stand und schon wieder ihre Tochter beschimpfte: „Du Miststück! Du hast mir das alles eingebrockt mit deinen Spinnereien. Ich würde dich am liebsten...“

„Verschwinde endlich!“ schrie sie ihn an. „Da ist die Tür und jetzt mach das Du hier endlich verschwindest. Ich will Dich Scheißkerl hier nie wieder sehen!“ Zornig blickte er sie an. Dann griff er nach der Bierflasche die auf dem Küchentisch stand und trank sie in einem Schluck aus. Dann warf er sie mit voller Kraft gegen die Wand, an der die Bierflasche klirrend zerbrach.

„Kannst Du haben. Ich verschwinde aus diesem Irrenhaus, bevor ich hier noch wahnsinnig werde. Mich seht ihr nie wieder. Ohne euch bin ich besser dran.“ Dann ging er zur Wohnungstür. Im Türrahmen blieb er stehen und drehte sich um.

„Verschwinde endlich!“ schrie sie ihn wieder an.

Gelassen blickte er sie an. Dann erwiderte er:“ Ich verschwinde. Mich seid ihr für alle Zeiten los. Das eine will ich Dir noch sagen...“

Aber dann fiel ihm nichts ein...

                                                                       Falk Fatal

19.11.06 18:42
 


bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)



 Smileys einfügen



Verantwortlich für die Inhalte ist der Autor. Dein kostenloses Blog bei myblog.de! Datenschutzerklärung
Werbung